~ Akzeptanz lernen ~

es geht um die Akzeptanz unserer Gefühle!

INHALT

WIESO GEFÜHLE?

Weil wir von unseren Gefühlen gesteuert werden. Immer! Alles was wir tun oder wollen, jede Entscheidung, die wir treffen, soll uns zu einem bestimmtes Gefühl verhelfen oder auch es verhindern, je nachdem. Wenn ich etwa viel Geld besitzen will, geht es nur vordergründig darum Geld oder bestimmte Dinge zu besitzen. Ich will diese Dinge, weil ich glaube, dass sie ein bestimmtes Gefühl in mir auslösen. Oder ich will ein bestimmtes Gefühl verhindern. Ich will etwa reich werden, weil ich das Gefühl der Armut und des Mangels verhindern will.

Oder ich will eine Beziehung weil ich das angenehme Gefühl der Zweisamkeit (geliebt werden, Anerkennung, kribbeln im Bauch, etc.) will oder/und weil ich das Gefühl der Einsamkeit und Langeweile nicht mehr fühlen will.

Wie ist das für dich? Was willst du gerne in deinem Leben und was ist das dazugehörige Gefühl, was du gerne fühlen willst bzw. nicht fühlen willst?

Es geht also immer „nur“ um unsere Gefühle. Sie sind unser angeborenes Navigationssystem. Wenn wir uns von etwas/jemandem angezogen fühlen, kommen wir näher und wollen mehr davon. Wenn wir uns von etwas/jemandem abgestoßen fühlen gehen wir weg und vermeiden es. Einfach und sehr effektiv. Leider ist bei den meisten von uns dieses Navigationssystem nicht mehr ganz zuverlässig, doch dazu später mehr.

WAS SIND GEFÜHLE?

Gefühle sind Körperempfindungen. Sie sind Energie, die in unserem Körper stattfindet. Nicht mehr, aber auch nicht weniger! Das kann ein Kribbeln sein, ein Schmerz, ein Stechen, eine Enge, ein Druck, etc.

Dann gleichen wir diese Körperempfindung mit unseren Erfahrungen aus der Vergangenheit ab und geben ihr Namen, wie Wut, Trauer, Freude, Scham, Ekel, etc. Und dann suchen wir mit unserem Verstand einen Auslöser bzw. die dazugehörige Geschichte. Ich bin wütend weil….

Es gibt ausreichend Forschung über Gefühle und deren Einteilung, das ist aber für meine Arbeit nicht wichtig, daher beschränke ich mich auf diese 3 für mich wichtigen Informationen über Gefühle:

  1. Sie sind Energie und finden in unserem Körper statt
  2. Wir geben ihnen einen Namen
  3. Wir haben meist eine passende Geschichte dazu im Kopf.

WAS PASSIERT NUN MIT UNSEREN GEFÜHLEN?

Wenn wir unsere Gefühle zulassen und fühlen kann diese Energie in unserem Körper frei fliessen und wir brauchen uns nicht weiter darum kümmern. Leider haben aber die meisten von uns als Kinder durch die Sozialisation von Eltern, Lehrer:innen, Freund:innen und durch das Erfahren kleiner und großer Traumata gelernt unsere Gefühle zu unterdrücken. Die Energie kann also nicht frei fliessen, sondern steckt noch immer in unserem Körper. Das kann uns auf verschiedene Weise blockieren und sogar krank machen. Diese unterdrückten Gefühle steuern uns im täglichen Leben so, dass wir unsere Umwelt versuchen zu kontrollieren, um bloß nicht wieder so etwas ähnliches wie früher fühlen zu müssen. Deshalb funktioniert auch unser angeborenes Navigationssystem nicht mehr gut.

Zu allem Überfluss praktizieren wir das Unterdrücken unserer Gefühle immer noch. Wir haben regelrecht Angst vor unseren Gefühlen und wollen sie auf gar keinen Fall zulassen. Nicht nur die unangenehmen, auch die angenehmen Gefühle sind wir oft nicht in der Lage auszuhalten und lenken uns von ihnen ab. Essen, durch Social Media scrollen, Serien, Filme, Alkohol, Computerspiele, aber auch jemanden anrufen und alles erzählen sind Ablenkungen, die uns hervorragen dabei helfen nicht fühlen zu müssen.

Es gibt also:

  1. alte, aus der Vergangenheit unterdrückte Gefühle, die immer wieder „anklopfen“ und endlich gefühlt/erlöst werden wollen und
  2. frische, aktuelle Gefühle, die für uns da sind, um unsere Vorlieben und Abneigungen aufzuzeigen, die uns helfen Grenzen zu setzen, Empathie und Vertrauen zu empfinden, usw.

WARUM SIND UNTERDRÜCKTE GEFÜHLE EIN PROBLEM?

Sie werden schnell von Außen getriggert, kommen dann hoch, beeinflussen unser Verhalten und lassen uns unangemessen heftig reagieren. Vielleicht kennst du es, dass Partner:innen, Kolleg:innen oder Familie sehr schnell unbewusst deine „Knöpfe“ drücken. Dann reagierst du mit einem Wutanfall, schnippische Antworten oder schmollen und ärgerst dich noch lange über die Situation, auch wenn sie schon längst vorbei ist.

Immer wieder spielst du sie in Gedanken durch und ärgerst dich über die Anderen. Dann erzählst Du die Geschichte auch noch deinen Freunden und ärgerst dich wieder. Das sind die Endlosschleifen, die sich überhaupt nicht gut anfühlen, aber wir sind unfähig sie zu stoppen.

Wenn wir uns von unseren Gefühlen ablenken, werden sie erst mal wieder unterdrückt, bis sie dann das nächste Mal wieder getriggert werden und an die Oberfläche kommen. Oft umso heftiger. Und das passiert so lange bis wir uns bewusst die Zeit nehmen und uns diesen Gefühlen zuwenden.

IST ES WICHTIG, ZU UNTERSCHEIDEN, OB ES ALTE ODER NEUE GEFÜHLE SIND, DIE ICH FÜHLE?

Nein. Das ist erstmal egal, weil der Umgang damit derselbe ist. Es ist wichtig sich allen Gefühlen zu widmen und sie zu akzeptieren.

Das gilt übrigens auch für die positiven Gefühle. Viele Menschen können nicht mit Freude sein und sie annehmen, sondern lenken sich ab mit Belohnungen oder dem wiederholten Erzählen des freudigen Ereignisses.

Je mehr wir unsere negativen Gefühle annehmen und fühlen können, desto mehr können wir auch die positiven Gefühle wirklich erleben.

WIE GEHT DAS DENN JETZT, GEFÜHLE ZULASSEN, FÜHLEN, AKZEPTIEREN?

Der erste Schritt ist mir bewusst zu machen muss, dass ich gerade etwas fühle von dem ich mich entweder ablenken oder nach Aussen hin reagieren will.

Der zweite Schritt ist inne zu halten tief in den Bauch zu atmen und herauszufinden, wo im Körper ich dieses Gefühl spüre. Wenn ich es gefunden habe, bleibe ich mit meiner Aufmerksamkeit dort und erlaube dem Gefühl genau so zu sein, wie es gerade ist. Es wird nichts verändert, sondern nur aufmerksam wahrgenommen.

Ein Beispiel von mir zu einem „frischen“ Gefühl:

Ein Beispiel von mir für ein altes, unterdrücktes Gefühl:

Das ist natürlich nicht für alle Menschen gleich. Es gibt Menschen, die sehr schnell nach außen reagieren und ihren Gefühlen Ausdruck geben und es gibt Menschen, die nicht reagieren und Gefühle sofort unterdrücken oder dissoziieren (sich von den Körpergefühlen abspalten). Bei den erst genannten ist es wichtig, wie oben beschrieben, wieder zu lernen vor der Reaktion inne zu halten und ins Fühlen zu kommen. Bei den zweitgenannten kann es wichtig sein, die Gefühle im Körper „aufzuwecken“ und bewusst an die Oberfläche kommen zu lassen bevor sie gefühlt werden können und gegebenenfalls auszuagieren. Nicht an jemandem, sondern für sich alleine. Dabei können Schütteln und andere körperliche Bewegungen hilfreich sein, um erst einmal wieder in Kontakt mit den Gefühlen kommen.

IST ES WICHTIG DIE URSACHE DER ALTEN GEFÜHLE ZU WISSEN?

Nein. Es kann hilfreich sein die Ursache zu kennen, aber es ist nicht hilfreich sich den Kopf darüber zu zerbrechen oder auf die Suche zu gehen. Oft kommt die Erkenntnis nach ein paar Tagen wie von selbst, wenn ich das Gefühl gefühlt und akzeptiert habe.

WARUM IST ES SO WICHTIG, DASS WIR DIE ALTEN GEFÜHLE FÜHLEN?

Weil dadurch die Energie, die in ihnen gebunden ist wieder freigesetzt wird. Sie blockiert dich nicht mehr. Du wirst immer weniger von äusseren Situationen getriggert und kannst Deine Gefühle wieder vertrauensvoll als dein Navigationssystem nutzen. Du bist wieder mit deinem Körper und deinen Gefühlen verbunden. Und deine Intuition wird so laut, dass du gar nicht mehr anders kannst, als ihr zu folgen. Das lässt dich wieder am Fluß des Leben teilhaben und du führst dein Leben so, wie es für dich gedacht ist.

DAS KLINGT GANZ EINFACH, ODER?

Manchmal ist es leicht und manchmal ist es schwieriger bzw. es kann länger dauern bis wir dazu bereit sind uns nicht abzulenken und uns wirklich unseren Gefühlen zu widmen. Und es kann dauern bis wir wirklich verstehen und erleben, was es genau heisst die Gefühle im Körper zu fühlen. Es ist Übung und Training.

Probier es gerne aus, wie leicht oder schwer es dir fällt, wenn du getriggert bist, vor einer Reaktion inne zu halten und erst mal zu fühlen…

Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass es Dinge gibt, die einfach zu akzeptieren sind und andere, die mehrere Durchgänge brauchen. Manchmal merke ich sofort, dass es jetzt etwas zu akzeptieren gilt und manchmal dauert es Tage (oder ich brauche eine andere Person, die mich daran erinnert) bis mir bewusst wird, dass ich mit einem Gefühl im Widerstand bin und jetzt bewusstes Fühlen und Akzeptieren dran ist.

Wenn ich es nicht schaffe, das Gefühl zu akzeptieren, ist der erste notwendige Schritt zu akzeptieren, dass ich es jetzt nicht akzeptieren kann. Das muß ich mir nur bewusst machen.

KANN ICH DAS ALLEINE MACHEN?

Definitiv. Ich möchte Dich sogar dringend dazu ermutigen, damit anzufangen Deine Gefühle in deinem Körper zu fühlen und zu akzeptieren.

Du erkennst, ob du ein Gefühl angenommen hast, wenn sich dein Körper entspannt. Wenn er sich nicht entspannt, hast du es vielleicht im Kopf verstanden, aber noch nicht völlig angenommen. Denn das geschieht in deinem Körper.

WARUM BRAUCHST DU MICH?

Weil diese Prozesse meist unbewusst in uns ablaufen und wir nicht mitkriegen, wenn es Zeit zum Fühlen ist. Und da Bewusstsein im Prozess der Akzeptanz der Gefühle der wichtigste und erste Schritt ist, bin ich dazu da, dich daran zu erinnern.

Ich erinnere dich daran, dein Bewusstsein immer wieder in deinen Körper zu bringen und deinen Gefühlen deine volle Aufmerksamkeit und Akzeptanz zu geben. Das fällt uns alleine meist sehr schwer, da wir mit unserer Aufmerksamkeit allzu leicht wegdriften.

Ich helfe dir auch dabei unterscheiden zu lernen, wann es besser ist Gefühle auszuagieren oder sie zu fühlen.

HEIßT DAS DANN, DASS ICH NIE WIEDER REAGIEREN SOLL?

Nein, dass heißt es nicht. Aber verzögert. Und ich spreche hier nicht über Reaktionsverzögerung wenn Gefahr droht. Du sollst nicht, wenn ein Bus auf dich zu rast zuerst einmal innehalten und deine Angst fühlen, sondern dich in dieser Situation natürlich von ihr direkt leiten lassen und sofort aus Reflex zur Seite springen.

Worum es mir geht sind die Situationen in denen keine wirkliche Gefahr droht, wir aber aus unseren Mustern und Prägungen heraus so reagieren als gäbe es eine. Das sind die Situationen, die sich immer wieder wiederholen und uns das Leben schwer machen. Hier gilt es innezuhalten und die Gefühle zu fühlen und zu akzeptieren. Wenn wir dann aus der Akzeptanz heraus reagieren, entscheiden und handeln führt das automatisch zu einer ganzheitlichen, nachhaltigen Veränderung, die unserem Wesen entspricht und uns unterstützt. Wir sind dann im Einklang mit unserem Leben.

Wogegen eine Reaktion aus dem Widerstand heraus wiederum nur Widerstand erzeugt und keine nachhaltige, förderliche Veränderung hervorbringt.

ZU GUTER LETZT:

Mir ist noch wichtig zu betonen, dass es nicht darum geht Gefühle weg zu machen oder nur noch positives zu fühlen. Wir brauchen alle unsere Gefühle, damit unser inneres Navigationssystem, unsere Intuition, wieder vollständig funktioniert.

Durch Akzeptanz bist Du aber nicht mehr Sklave Deiner Gefühle, sondern der Raum, in dem sie stattfinden dürfen. So lernst Du nach und nach auch wieder Dein natürliches Gefühls-Navigationssystem als Deine Intuition im Leben zu nutzen, z.B. um gesunde Grenzen zu setzen und dem zu folgen, was dir Freude macht und dich wachsen lässt.

Auf diesem Weg (wie auch allgemein im Leben) ist wichtig Fehler zu machen und sie sich auch zu erlauben. Denn sonst können wir nicht lernen und Spaß an Neuem entwickeln.

Wir sind nicht hier um perfekt zu sein!

“ Akzeptanz ist keine positive oder negative Bewertung, sondern wertfreie Annahme.”
Vanessa Heibel
Akzeptanz lernen

Wenn du noch weitere Fragen hast, melde dich gerne bei mir.